Bereits vor sechs Uhr morgens war am 20. Juni 2026 Hochbetrieb an der Talstation der Engstligenbahn. Dass der Alpaufzug zu den spektakulärsten der Schweiz gehört, hat sich im Laufe der Jahre rumgesprochen. Auch die Bergbahn machte fleissig Werbung. Entsprechend gross war der Andrang und der Parkplatz so voll wie nie um diese Zeit. Während wir in der Schlange standen machten sich bereits die letzten Familien mit ihren Helfern und Kühen auf den steilen Weg. Die ersten starteten noch im Dunkeln.
Für die Überwindung der knapp 600 Höhenmeter brauchen Mensch und Tier weniger als zwei Stunden. Der Saumpfad bietet im letzten Teil den Blick auf die beeindruckenden Engstligenfälle.
Wer statt der Seilbahn lieber zu Fuss den Berg erklimmen will, muss einiges beachten. Während dem Alpauf- und abzug ist der Wanderweg gesperrt. Die Wanderung ist anspruchsvoll. Für die Begehung der etwas mehr als drei Kilometer langen Strecke sind Wanderschuhe und Schwindelfreiheit nötig.
Über 500 Tiere verbringen den Sommer mit den Sennen auf der Alp. Doch nicht alle gelangen über den Wanderweg hoch. Ein Teil wurde mit der Transportseilbahn hochgebracht. Wie beispielsweise die 169 Kälber und älteren Kühe. Sie erreichten die Engstligenalp noch vor der offiziellen «Züglete». Die fand wieder bei besten Wetterverhältnissen statt. War es frühmorgens noch frisch, so konnte man später die Jacken wieder in den Rucksack packen. Die Engstligenalp ist im gemeinsamen Besitz der Alpschaft mit 340 ½ Kuhrechten. Sie bietet während der Alpzeit Nahrung für rund 500 Stück Vieh. Das auch bei Familien beliebte Wandergebiet steht unter Naturschutz. Darum müssen Hunde an der Leine geführt werden. Mountainbiking ist verboten und ein respektvoller Umgang mit den menschlichen und tierischen Bewohnern erwünscht.
Und zum Thema Glocken: Die grossen Treicheln und das „Glüt“ tragen die Kühe nur während der „Züglete“. So heisst das Umziehen auf die Alp im Berner Oberland. Man sieht ihnen ihren stolz an, wenn sie als erste im Zug die Herde anführen. Ohne diese Glocken würden sie nicht in ihr sommerliches Paradies ziehen.